Thomas #Hitzlsperger: „Ich bin #schwul“ – Na und? * Mein Senf dazu:

ColognePride 2013Ganz ehrlich… ich kann diesen Thomas Hitzlsperger nicht mehr sehen – er hat sich „nur“ geoutet und nicht alle Kriege auf der Welt beendet! Ok, er ist Fußballer und es glauben anscheint immer noch sehr viele, dass es im Fußball keine Schwule gibt 😉

Aber mal im Ernst: Die Medien übertreiben hier ein wenig. Auch wenn der Fußball sehr intolerant in dieser Sache sein mag. Aber ist es der richtige Weg, dieses eine kleine Detail auszuschlachten und als „anders sein“ regelrecht zu propagieren? Schwule und Lesben (ja es gibt auch homosexuelle Frauen) sind nicht anders als andere Menschen, sie gehen auch arbeiten, haben Probleme zu bewältigen, lieben, weinen, haben Familie, Freunde und Feinde. Eigentlich sollte doch die Reaktion sein „Schwul? Na und?“ und nicht „Wow, er ist schwul“.

Ganz klar, es kostet Überwindung und man braucht Mut um darüber offen zu reden, man weiß ja leider nicht, wie die Umwelt darauf reagiert. Natürlich ist die Reaktion von vielen „was interessiert mich, was ein Mensch im Bett macht?“ schon mal positiver als „Scheiß Schwuchtel“, aber hat Homosexualität wirklich nur was damit zu tun, was man im Schlafzimmer macht? Mit Sicherheit nicht. Es gehört zwar dazu, aber Heterosexuelle sind ja auch noch Hetero, wenn sie mit Ihrem Partner durch die Stadt gehen, wenn er/sie Ihn/sie mit zur Betriebs- oder Familienfeier mitbringt, einkaufen geht, etc. Auch wenn ich mich nicht direkt, mit den Worten „Ich bin schwul!“ Öffentlich out, so würde es doch unweigerlich zum Outing kommen, wenn ich mich entscheide meinen Partner in diesen Situation nicht zu verleugnen.

Warum wird also erwartet, dass sich ein homosexueller Mensch (sei es ein Promi oder Otto-Normal-Verbraucher) offen zu seiner „anderen“ Sexualität steht? Eine heterosexuelle Person, betritt ja auch keinen Raum mit den Worten „Hallo, ich bin XY, und bin Hetero!“ Im Grunde ist es ja auch nicht wichtig, ob sie Hetero, Homo oder Bi ist. Sein Charakter und seine persönlichen Interessen ändern sich durch dieses Detail nicht. Aber diese Punkte sind wichtiger um herauszufinden, ob man mit dieser Person auszukommt, oder nicht.

Man sollte mich nicht falsch verstehen, ich unterstütze jeden, der sich für ein Outing entscheidet. Ich bin auch nicht dagegen oder ähnliches. Aber ich finde, Homosexualität sollte weder akzeptiert noch toleriert werden, sondern es sollte schlicht einfach egal sein, ob eine Person Homo-, Hetero oder Bisexuell ist. Man sollte eine ganze Person nicht auf dieses Detail reduzieren.

Eigentlich sollte dies nur ein Facebook-Status werden… da es dann doch etwas länger wurde, habe ich daraus meinen nächsten Artikel gemacht. Aber um noch mal auf das aktuelle Beispiel Thomas Hitzlsperger zurück zu kommen, was wird sich nun ändern? Ich persönlich glaube: So lange sich besonders im Fußball die homosexuellen Spieler nur kleckerweise und nach Ihrer Karriere outen, wird sich an dieser homophoben Haltung auch nix ändern.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Schritt in die Öffentlichkeit jungen Spielern und Profisportlern Mut machen kann.

So leid es mir tut und bei allem Respekt vor seiner Entscheidung, aber dafür kommt sein Outing leider zu spät. Auch wenn ein Outing immer mutig ist, bin ich doch der Meinung, dass es mutiger gewesen wäre, wenn er sich als aktiver Fußballer geoutet hätte? Dann hätte er vielleicht auch was bewegen können. Aber wie wäre dann wohl seine Karriere verlaufen? Auch so positiv wie dieser ganzen Bekundungen heute? Wohl kaum, denn der Fußball wird sicherlich eines noch für lange Zeit bleiben: Im höchsten Maße Homophob!

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2 Comments

  1. Nils Hamburg 27. Juni 2014 10:54 Antworten

    Hitzlsperger ist als ehem. Profifußballer prominent – natürlich hat es eine andere mediale Qualität, wenn er sich outet, als wenn es der Nachbar von nebenan tut.
    Es wäre wünschenswert, wenn all dies nicht nötig wäre.. fein! Aber der Konjunktiv indiziert ja gerade, dass es so weit nicht ist – leider! Es ist nach wie vor eine Nachricht, es gibt nach wie vor große Ressentiments in der Bevölkerung.
    Hätte Hitzlsperger nichts gesagt, und wäre er stattdessen auf dem Kreuzberger CSD erschienen wie neulich, kann man sicher sein, dass die Interview Anfragen nun nachträglich über ihn einbrechen würden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man zur Tagesordnung übergegangen wäre, nach dem Motto: achso, der ist schwul, na egal; wie heißt nochmal die neue Flamme von Lodda..? – Nein, Hitzlsperger ist der erste (!) Profifußballer in D, der öffentlich sein coming out hatte! Da gibt es nichts kleinzureden!
    Man kann geteilter Meinung sein, ob er es in seiner aktiven Zeit hatte tun sollen.
    Immerhin ist es ein erster Schritt. Er bahnt so den Weg für andere! Sie haben es nun deutlich leichter als vorher!
    Warum ist die große Comin Out Welle dann bisher ausgeblieben? Mir kann keiner erzählen, dass da keiner mehr sein soll – es gibt mit Sicherheit genug!
    Meine Schlussfolgerung: Der Druck muss immens sein. Wahrscheinlich ist es nicht lustig, als schwuler Spieler in Rostock oder Dresden aufzulaufen.
    Vor diesem Hintergrund finde ich es unfair, Hitzlspergers Schritt kleinzureden. So zu tun, als sei das alles gar nicht mehr nötig.
    In Wirklichkeit ist das doch ein sich wegducken, zurück ins Mauseloch kriechen wollen, während sich jemand mutig gerade macht!
    Tun wir bitte nicht so, als sei alles erreicht – und schon gar nicht aus Feigheit!

    • Dennis L. 27. Juni 2014 11:20 Antworten

      Danke für deinen Kommentar, aber in einem Punkt muss ich wohl etwas richtig stellen.

      Mir liegt es fern seinen Schritt klein zureden oder ihn Feigheit zu unterstellen (dieses Wort habe ich nicht einmal verwendet 😉 ). Das Outing ist eines der schwersten Schritte die es im Leben eines Homosexuellen gibt und für eine Person des öffentlichen Lebens wird es mit Sicherheit nicht einfacher! Da rede ich noch garnicht von dem Outing nach außen, sondern von dem inneren Outing vor sich selber! Ich weiß wovon ich rede, ich habe es selber durchleben, wenn auch nicht so Medien- und Öffentlichkeitswirksam wie Thomas Hitzelsperger

      Abgesehen davon, dass ich den Zeitpunkt des Outing als Spieler im „Ruhestand“ kritisiert habe (wenn man es so nennen möchte), habe ich in meinem Artikel ja nicht maßgeblich seinen Schritt damit in die Öffentlichkeit kritisiert, sondern das, was daraus durch die Medien, dem DFB, etc. gemacht wurde! Ich habe die Gesellschaft und deren Reaktion darauf kritisiert nicht Thomas Hitzelsberger im Konkreten 😉

      Ich hoffe ich konnte da etwas Klarheit reinbringen!

      http://www.lang4you.de

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